Bei der Entwicklung von Maschinen reicht es nicht aus, sich nur auf Funktion und Leistung zu konzentrieren. Die Konstruktion muss auch Sicherheitsprinzipien gemäß internationalen Standards erfüllen. Der zentralste davon ist ISO 12100:2010, der als Rahmenwerk für Risikobeurteilung und -bewertung während des gesamten Lebenszyklus der Maschine fungiert. 

In diesem Artikel erläutern wir die Methodik der Norm zur Risikominderung, wie Risiken klassifiziert werden und welche Rolle der Konstrukteur bei der Maschinensicherheit und CE-Kennzeichnung spielt.


Allgemeine Prinzipien gemäß ISO 12100

Die Norm betont, dass die Risikobeurteilung Folgendes berücksichtigen muss: 

  • Vorgesehene Nutzung der Maschine und vernünftigerweise vorhersehbarer Missbrauch. 

  • Alle Phasen des Lebenszyklus: Konstruktion, Transport, Installation, Betrieb, Wartung und Abwicklung. 

  • Menschliche Interaktion in jedem Schritt. 

  • Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit, einschließlich Kontrollschnittstellen. 

Der Prozess soll systematisch, iterativ und klar definiert sein.


Drei-Stufen-Strategie zur Risikominderung 

ISO 12100 beschreibt eine Hierarchie in drei Ebenen, die immer in der Reihenfolge befolgt werden sollte: 

  1. Integrierte sichere Konstruktionsmaßnahmen

Hier sollen die Risiken an der Quelle durch Konstruktion eliminiert werden, beispielsweise durch: 

  • Minimierung gespeicherter Energie

  • Entfernung scharfer Kanten 

  • Beschränkung des Zugangs zu gefährlichen Bereichen

  1. Schutzmaßnahmen und ergänzende Sicherheitssysteme

Wenn eine Eliminierung durch Konstruktion nicht möglich ist, sollen Schutzmaßnahmen eingeführt werden, z.B.: 

  • Feste oder bewegliche Schutzeinrichtungen

  • Not-Aus und Sicherheitsschalter

  • Lichtschranken und Präsenzsensoren 

  1. Informationen für den Benutzer

Für verbleibende Risiken ist klare Information erforderlich, beispielsweise: 

  • Handbücher und Anweisungen

  • Warnschilder und Kennzeichnung

  • Empfehlungen für persönliche Schutzausrüstung 

  • Schulungsanforderungen


Strategie zur Risikobeurteilung

Für die Durchführung der Risikobewertung gibt ISO 12100 folgende Schritte an: 

  1. Definition der Grenzen und der Nutzung der Maschine

  2. Identifikation von Gefahrenquellen und risikoreichen Situationen

  3. Risikoeinschätzung (Schweregrad x Wahrscheinlichkeit) 

  4. Beurteilung, ob Risikominderung erforderlich ist

  5. Umsetzung von Maßnahmen gemäß dem Drei-Stufen-Modell

  6. Erneute Beurteilung verbleibender oder neuer Risiken

Der Prozess wird wiederholt, bis die Risiken auf einem akzeptablen Niveau sind. 


Verantwortung des Konstrukteurs bei der Risikominderung

Der Designer spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen und der Kommunikation verbleibender Risiken. 

Dies umfasst unter anderem: 

  • Konstruktionsänderungen und Sicherheitslösungen

  • Dokumentation der Risikobewertung und Maßnahmen

  • Technische Unterlagen und Gebrauchsanweisungen 


Klassifizierung von Risiken 

ISO 12100 enthält eine detaillierte Liste von Gefahren, die bei Maschinen auftreten können. 

Einige Beispiele: 

  • Mechanisch: Einklemmung, Verwicklung, herabfallende Teile

  • Elektrisch: Stromschläge, Kurzschluss 

  • Thermisch: Verbrennungen durch heiße Oberflächen 

  • Lärm und Vibrationen: Gehörschäden, Vibrationsschäden 

  • Strahlung: Laser, UV oder IR

  • Chemische Stoffe: giftige oder ätzende Substanzen

  • Ergonomie: schlechte Arbeitspositionen, repetitive Bewegungen

  • Umweltfaktoren: Staub, Feuchtigkeit, extreme Temperaturen

  • Kombinationsrisiken: wenn mehrere Gefahren zusammenwirken 

Diese Klassifizierung kann als Checkliste gesehen werden, die Konstrukteuren hilft, wichtige Risiken während der Entwicklungsarbeit nicht zu übersehen. 


Fazit

ISO 12100:2010 bietet eine klare und wiederverwendbare Methode zur: 

  • Identifikation und Analyse von Risiken an Maschinen

  • Schrittweisen Minderung der Risiken durch Design, Schutz und Information

  • Gewährleistung, dass Maschinen die Anforderungen für die CE-Kennzeichnung erfüllen.

Durch die Arbeit nach dem Standard können Unternehmen Maschinen schaffen, die nicht nur effektiv, sondern auch intrinsisch sicher und rechtlich nachhaltig sind.

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FAQ - Häufig gestellte Fragen

Ist die Risikobeurteilung nach ISO 12100 obligatorisch?

Nein, es ist nicht erforderlich, ISO 12100 zu befolgen, aber sie ist eine grundlegende A-Norm, die entscheidend ist, um die Sicherheitsanforderungen der EU-Maschinenrichtlinie zu erfüllen. Die Norm beschreibt Prinzipien und Methoden, wie Risiken bei der Konstruktion beurteilt und reduziert werden sollen.

Dies stellt einen zentralen Bestandteil der Sicherheitsarbeit dar, die erforderlich ist, um die gesetzlichen Anforderungen für Maschinen gemäß der Maschinenrichtlinie (2006/42/EG) und der kommenden Maschinenverordnung (2023/1230) zu erfüllen.

Was versteht man unter „inhärent sicheren Konstruktionen“?

Dass Risiken bereits im Designstadium eliminiert werden, anstatt nur nachträglich Schutzmaßnahmen hinzuzufügen.

Welche Arten von Risiken umfasst ISO 12100?

Unter anderem mechanische, elektrische, thermische, ergonomische und umweltbezogene Risiken.

Wann tritt die Maschinenverordnung in Kraft?

Die neue Maschinenverordnung (EU 2023/1230) wird ab dem 20. Januar 2027 vollständig angewendet.